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KX.


 

what's in the box - videokunst


Freitag 23.3.2001

19.00 Uhr

Samstag + Sonntag 24.-25.3.2001

16-20 Uhr

 

Jeanne Faust

Tobias Regensburger

Ina Hattebier

Wolfgang Oelze

Kochta/Lüsing

Tjorg Beer

Tatjana Greiner

Karsten Ewert

Bernd Jasper

Martin Hamann

Rabea Eipperle

Georg Kühn

Sven-Felix Küchenmeister

Sabine Kühnle

Romeo Grünfelder

Re-products

Locomotion

Susanne Winterling

Jokinen

Christoph Dettmeier

Nina Könnemann

Alexander Höpfner

Katya Sander

Knut Aasdam

Ann Lislegaard

Annika Lundgren

Lisa Strömbeck

Peter Callesen



What«s in the Box?

KX. zeigt Videokunst! KX. präsentiert Videos verschiedener Künstlerinnen und Künstler an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden, und zwar am Freitag, den 16. März 2001, ab 19 Uhr (Vorführung des ersten Programms) und am Freitag, den 23. März ab 19 Uhr (Vorführung des zweiten Programms).

Jeweils an den beiden darauffolgenden Tagen dieser Wochenenden kann sich der Besucher dann ab 16 Uhr für vier Stunden sein persšnliches Programm aus den vorgeführten und zusätzlichen archivierten Videos noch einmal selbst zusammenstellen.

Durch die Vorführungen der Freitagabende begleitet Wolfgang Oelze, der das Programm auch kuratiert hat.

Welcome to the Box! Was ist Videokunst?

So verschieden die auf KX. gezeigten Videos auch sein mögen, sie arbeiten alle auf eigenständige Weise mit den Eigenarten des Mediums Video und eröffnen uns Einblicke in das Virtuelle, das in Zusammenhang mit dem elektronischen Bild in der Videokunst erstmalig als Begriff für die "Medienkunst" formuliert wurde.

Tatsächlich aber, wie wir schon von Anfang an geargwöhnt haben, ist das Virtuelle keine Sache, die zwangsläufig der Videokunst eigen sein muß, sondern doch eigentlich von der Bedeutung her, die Möglichkeit, also das vorgestellte Bild sichtbar zu machen, etwas ganz Kunstspezifisches an sich.

Der Künstler imaginiert sich einen Kosmos, den er auf irgend eine Weise sichtbar macht, ihn aus der Gedanken- "BOX" läßt, Realität werden läßt.

So könnte man vielleicht davon ausgehen, da§ Videokunst in dieser Beziehung einen höheren Realitätswert hat. Der Künstler, so wäre die Idealvorstellung, ermöglicht den Anderen eine neue Sicht auf die Welt oder auf ein Detail der Welt, das zur Welt wird und sie, die Anderen, sagen mit Erstaunen: "So habe ich die Welt noch nicht gesehen."

Hier kommt die Stärke des Videos zum Tragen, diese Vorstellungswelt erlebbar zu machen. Wir erleben ein Nacheinander von Bildern, werden auf eine Reise mitgenommen, können Ereignisse aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.

Das Nacheinander, die Abfolge von Ereignissen, stellt die Umsetzung einer gedanklichen Gleichzeitigkeit dar.Andererseits ist gerade dies das Problem des Videokünstlers, nicht alles zu erklären, den Betrachter einzulullen und abzustumpfen, wie beim Fernsehprogramm, was besonders in den Anfängen der Videokunst als eindeutiges Gegenbild verstanden wurde.

Das Vorgehen mu§ eher Strategien beinhalten wie Ironisierung, Aufdeckung ohne zu belehren, Verrätselung, um klar zu machen, da§ die Welt faszinierend Rätselhaft ist und nicht erklärt werden muß und auch gar nicht erklärt werden kann. Die Videokamera bildet dabei immer besonders direkt die Blickrichtung des Machers ab und ist auch für den Amateur so gedacht, wie man es von endlosen Familienvideos kennt.

Hieran anschließend wäre zunächst Sven-Felix Küchmeister zu nennen, der seiner reichen Freundin aus Mailand, die sich langweilt, versucht zu erklären, was Kunst ist und dabei durch einen sprichwörtlich dunklen Gerümpelkeller stolpert, hier überhaupt als Sinnbild für das Scheitern am Erklären der Welt zu sehen.Tatjana Greiner zeigt im privaten Blick des Makroobjektivs den Fokus auf die nervöse Geste, den Tick.

Den entwickelt wiederum Martin Hamann in mehreren Episoden zur Kunstform. Jeanne Faust inszeniert mit ebenso prägnanter Episodenhaftigkeit Begegnungen des Alltags, die sie in ihrer Vorstellungswelt komponiert wie ein Musikstück und gleichzeitig von mehreren Kamerablickwinkeln zeigt, dies betont die Zufälligkeit -man kšnnte in dem jeweiligen Moment hier oder dort stehen- und Inszeniertheit zugleich.

Ina Hattebier zeigt hingegen die ebenfalls beeinflußte Komposition des Zufalls der Bewegung von Gie§kannen im Wind. Wolfgang Oelze arbeitet mit der Inszeniertheit des Zufalls im Film und entdeckt dabei im kurzen Moment die Beseelung des Gegenstandes im Genre des Killerfilms, in anderen Arbeiten wird gerade der kurze Moment gedehnt und koppelt die Zeit von der Realität, wie wir sie kennen, ab.

Bei Bernd Jasper werden Krocketkugeln beseelt, ihr Aneinanderstoßen wird zur Begegnung. Tanzendes Subjekt und Objekt der Blicke zugleich ist Rabea Eipperle in ihrer Videoperformance "Peute", in der sie sich selbst an der Dingwelt inszeniert und sich das Auto tanzend aneignet.

Alexander Höpfner mischt virtuelle Welten aus dem 3D-Programm, das jede Wirklichkeit aus Pixeln entstehen lassen kann, mit der scheinbar bekannten Wirklichkeit der Krankenhausserie.

Bei Re-Products ist der Name Programm: Das Produkt Betroffenheit in der Fernsehsendung "Fliege" wird immer und immer wieder reproduziert und dabei so penetrant, da§ wir nur noch lachen können, weil wir vom Zwang zur Betroffenheit befreit wurden.

 

Wolfgang Oelze