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KX.



Malfabrik

von Konstantin Voit

Block 4

 

Eröffnung: Donnerstag, 31. August 2000 um 20 Uhr
Geöffnet: 1. September bis
zum 17. September 2000 jeweils
Öffnungszeiten: Donnerstag + Freitag 16 - 20 Uhr
Sonnabend + Sonntag 14 - 18 Uhr

Die Malfabrik wurde 1995 in Hamburg von Konstantin Voit gegründet. Konstantin Voit, geboren am 31.12.1964 in Mannheim, studierte von 1989-96 Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg bei Prof. Sigmar Polke.

Die Malfabrik beschäftigt sich mit der Kinder-Malschablone. Diese findet sich in Spielwarenabteilungen und Schreibwarenläden. Schablonen bestehen aus gefärbtem, transparentem Hartplastik, ihre Größe schwankt zwischen der einer Streichholzschachtel und der eines Schulranzens. Schablonen weren zumeist in China gefertigt, sie sind weltweit verbreitet. Am häufigsten vertreten sind Schablonen im DINA4-Format: in dieser Größe sind fast 80 Motive bekannt. Sie bilden das formale Fundament der Malfabrik.

Abgebildet werden Motiv-Gruppen aus vier Themenbereichen: Verkehr, Sport, Mensch, Tiere. Jede Gruppe besteht aus Schablonen-Paaren, die im Motiv verwandte, aber unterschiedliche Formen abbilden, es existieren also immer zwei Schablonen mit Autos, zwei mit Flugzeugen, zwei mit Schiffen usw. (Schablonen A + B).

Schablonen reduzieren Gegenstände auf Umrißformen. Das Merkürdige an Schablonen ist, daß sie zwar da sind, ihre Bestimmung aber durch etwas bekommen, was nicht da ist: Löcher. Die Substanz einer Schablone ist damit das Abbild eines Raumes zwischen den Dingen.

Der Musterblock der Malfabrik (Block 1) ist ein Bildsystem, das sich aus den malerischen Möglichkeiten von Schablone, Spraydose und Ölfarbe ergibt. 64 vom Künstler entworfene Prinzipien und ihre Musterausführung im DIN A4-Format dienen dem Kunden als Ausgangsbasis, um sich sein Bild zusammenzustellen und in Auftrag zu geben.
Innerhalb einzelner Muster sind bestimmte Variationen in der Schablonenwahl oder Farbgebung möglich. Es kann auch die vorliegende Musterausführung gewählt werden. Eine mögliche Variation wird der Musterausführung gegenüber immer billiger berechnet, was im sogenannten Lustfaktor niedergelegt ist.

Pro Prinzip werden maximal 100 Bestellungen entgegengenommen. Ein zeitliches Limit dafür existiert nicht. Nach Abschluß des 100. Bildes wird das jeweilige Prinzip geschlossen. Ausgenommen von dieser Regelung sind komplette Blocksätze und Abonements, die auf jeweils 10 Stück limitiert sind und als solche gesondert gekennzeichnet werden.

Block 2 der Malfabrik isoliert zwei Bildideen aus dem Musterblock, nämlich Nr. 55: Schablone auf Karos sprayen und Nr. 42: Schablone versetzt in Vierteln sprayen. Die Kombination beider Bildideen verarbeitet auf insgesamt 64 DINA3-Tafeln nahezu alle Schablonen im DINA4-Format (64) mit nahezu allen verfügbaren Sprayfarben (128). Die Schablonen werden dabei nach Motiven sortiert und um die Bildmitte (Tennis) gruppiert. Halbierte Motive am Rand (rechts/links, oben/unten) finden ihre Fortsetzung an der jeweils gegenüberliegenden Seite des Blocks, d.h. im Zustand der Ordnung ist dieser formal in sich geschlossen. Warme und kalte Farben werden zu zwei Quadraten á 8 x 8 Farben geordnet. †bereinandergeschoben entsprechen sie den Farbkombinationen der 64 Bildtafeln: warme Farben treffen dabei stets auf kalte und - an den Rändern - helle Farben stets auf dunkle.

Bei Block 3 der Malfabrik (Arbeitstitel: Kronleuchter) werden 6 Schablonenmotive miteinander gekreuzt: jede Schablone wird dabei mit jeder anderen in den mathematisch möglichen 1er-, 2er-, 3er-, 4er-, 5er- und 6er-Kombinationen übereinander gesprayt.

Block 4 (Kaleidoskop) entspringt der Bildidee Nr. 37 (Leuchtturm) des Musterblocks. Als Hintergrund wird der 12er-Farbkreis in den 24 möglichen Stellungen (zwölf im Uhrzeigersinn sowie zwölf entgegen dem Uhrzeigersinn) durchgepielt. Im Vordergrund ordnen zwei horizontal laufende Reihen jeweils 24 ausgewählte Schablonenmotive in eine Evolutions-Reihe (oben) sowie eine alphabetisch geordnete Tier-Reihe (unten).

Block 5 (Flaggen 2000) arbeitet Bildidee Nr. 36 (Flagge) des Musterblocks weiter aus. Landesflagge und Schablonenmotiv werden so miteinander verknüpft, daß entweder ein inhaltlicher Bezug zum betreffenden Land hergestellt wird (z.B. Ungarn mit der Paprika, Frankreich mit der Concorde) oder ein formaler (z.B. Libanon mit der Zeder), in einigen Fällen treffen inhaltlicher wie formaler Bezug auch aufeinander (z.B. Liechtenstein: formal mit der Krone oben links, inhaltlich als Geldwaschanlage). Die formale Einheit der Schablonen als auch die grafische Ordnung der Flaggen (und ihre jeweilige Farbkombinationen) bleiben erhalten.

Block 6 (Schilder-Bilder) verknüpft die Schablonenmotive mit Verkehrsschildern und Hinweistafeln. Die Symbole in den Schildern werden dabei durch Schablonenmotive ersetzt.

Block 7 (Regenbogen) ordnet die bislang bekannt gewordenen 54 Schablonen im Standardformat (dies ist etwas kleiner als DINA4, ca. 26,7 x 19 cm) als Original mitsamt den beim Kauf beiliegenden Malvorlagen in eine Doppelreihe, wobei als horizonzaler Ordnungsmaßstab die Farbabfolge des Regenbogens diente, vertikal wurden die jeweiligen Motivpärchen zusammengestellt (Flugzeuge A + B, Schiffe A + B usw.).

Die Malfabrik entspringt direkt dem Kernsystem, einem Ideenkatalog, der sich seit 1993 in einem Zustand permanenter Expansion befindet. Im System weren grundlegende Fragen zu Bild und Bildmaterial, Systematik und Reihung sowie zur Person des Künstlers selbst bearbeitet. Einzelne Ideen des Systems werden aufgegriffen und ausgearbeitet. So auch der Gedanke einer prinzipiellen malerischen Auseinandersetzung mit Kinder-Malschablonen: Symbolisch als Urschablone im System verankert, entwickelte er sich zu einer Sammlung von mehreren hundert Schablonen - und später zur Malfabrik.


 

Kurator: Wolfgang Schindler(KX.) schindler@invisiblecircle.de